100 Jahre Musikverein Schwieberdingen
Eine Jahrhundert-Geschichte voller Musik, Tradition und Gemeinschaft
Gründung im Gasthof Hirsch
Aktive Musiker
Stand 2025
100 Jahre Vereinsgeschichte in nur wenigen Zeilen zusammenzufassen, ist gar nicht so einfach. Erst recht nicht, wenn es sich um einen so aktiven Verein mit einer so lebhaften und spannenden Geschichte wie der des MVS handelt. Man will ja auch nichts unterschlagen und das facettenreiche Spektrum des Vereins so gut wie möglich abbilden.
Die Gründung
21. November 1925
Am 21. November 1925 trafen sich 18 junge Männer im Gasthof Hirsch in Schwieberdingen. Ihr Ziel: die Pflege der Volksmusik und der geselligen Unterhaltung. So wurde der Musikverein Schwieberdingen ins Leben gerufen.
Schon zu Beginn fanden sich nicht nur aktive Musiker, sondern auch 23 Fördermitglieder, die den jungen Verein unterstützten. Bereits im Gründungsjahr gab es den ersten öffentlichen Auftritt. In den folgenden Jahren trug der Musikverein mit Saal- und Platzkonzerten sowie Unterhaltungsabenden zum kulturellen Leben in Schwieberdingen bei.
Schon ein Jahr nach der Gründung präsentierte sich der junge Verein mit Stolz in Uniform und trat bei Umzügen auf, unter anderem auf dem Cannstatter Wasen.


21. November 2025
Genau 100 Jahre später, am 21. November 2025, blickt der Musikverein Schwieberdingen auf ein Jahrhundert voller Musik, Tradition und Gemeinschaft zurück. Aus den bescheidenen Anfängen mit 18 Gründungsmitgliedern ist ein lebendiger Verein mit 281 Mitgliedern geworden, der die musikalische Landschaft der Region maßgeblich prägt.
Im Gasthof Hirsch, dem Ort der Gründung, stießen die Mitglieder des MVS auf 100 Jahre an.
Eine Reise durch 100 Jahre
Die 1930er und 1940er Jahre
Kriegsjahre und Nachkriegszeit
In den 1930er Jahren musste die Vereinstätigkeit eingestellt werden. Die 1940er waren geprägt von den Wirren und Schrecken des Krieges. Sechs Vereinsmitglieder kehrten nicht mehr zurück – ein schmerzhafter Verlust für die Gemeinschaft.
Doch das war noch lange nicht das Ende. 1946 begann der Wiederaufbau des MVS. Und auch die Währungsreform, bei der das gesamte Geldvermögen des Vereins verloren ging, konnte die Musiker nicht stoppen. In den 1940er Jahren begann der MVS bereits mit der aktiven Jugendarbeit – eine wichtige Säule im Vereinsleben, bis heute.

Die 1950er Jahre
Aufbruch und Miteinander
Die Nachkriegszeit stand ganz im Zeichen des Wiederaufbaus. Es entstanden Traditionen, die den Verein bis heute prägen:
- Das Musikfest
- Der Familienabend
- Die Weihnachtsfeier
Diese Traditionsveranstaltungen fanden übers Jahr verteilt statt und gehören bis heute fest ins Jahresprogramm des Vereins. Die Theatergruppe wurde ins Leben gerufen (bis in die 2000er Jahre aktiv).

Die 1960er Jahre
Internationaler Blick und neue Traditionen
- 1961: Erste Auslandsreise nach Telfs, Tirol (Österreich)
- 1962: Erster Auftritt beim Markgröninger Schäferlauf – bis heute ist der Verein jedes Jahr beim Festumzug dabei
- 1964: Zwei Saxophone und ein „Tanzschlagzeug" für moderne Rhythmen
40-jähriges Jubiläum 1965
190 Mitglieder, davon noch 10 Gründungsmitglieder. Der Bock vom Lammbräu war damals schon dabei – und ist dem Verein bis heute erhalten geblieben.

Die 1970er Jahre
Nachwuchs, Musikschule, musikalischer Fortschritt
Die 1970er Jahre standen ganz im Zeichen der Jugendarbeit:
- 1974: Gründung der vereinseigenen Musikschule unter Vorsitzendem Hermann Kläger, geleitet von Willy Lange
- Ab 1970: Viele Jugendliche erlernten unter der Anleitung von Musikern verschiedene Musikinstrumente
50-jähriges Bestehen 1975
Großes Musikfest auf dem Festplatz beim Bahnhof – genau dort, wo das Musikfest auch heute noch stattfindet.
Erkenntnis aus der Festschrift 1975: „War früher die Blasmusik eine reine Volksmusik- und Tanzkapelle, so bringt sie heute zu einem großen Teil konzertante Musik zu Gehör."

Die 1980er Jahre
Große Reisen, großer Zusammenhalt
In den 80er Jahren wurden die „internationalen Beziehungen" des MVS weiter verstärkt:
- Konzertreisen nach St. Peter-Freienstein in Österreich
- 1989: Blasorchester in der amerikanischen Partnerstadt Belvidere
- 1988: Jugendkapelle reist nach Kanada – für viele Jugendliche der erste Flug und die erste Auslandsreise
- 1986: Erstes Fußballturnier für Musikvereine ins Leben gerufen
5. Dezember 1984: Der große Brand
Ein Brand zerstörte große Teile des Vereinsfundus. Dekorationen, technisches Equipment und Materialien gingen verloren.
1989: Die vereinseigene Musikschule wurde aufgelöst und in die kommunale Musikschule Schwieberdingen überführt („Schwieberdinger Modell").

Die 1990er Jahre
Auszeichnungen, Auftritte, Aufnahmen
Die 90er waren auch musikalisch eines der erfolgreichsten Jahrzehnte des Musikvereins Schwieberdingen:
- 1994: Jugendkapelle erstmals in den USA auf der Boone County Fair in Belvidere (Illinois)
- Juni 1994: Unvergessenes gemeinsames Konzert von Blasorchester und Jugendkapelle auf der Nippenburg
- 1995: Gründung der Oldie-Kapelle zum 70-jährigen Vereinsjubiläum
- 1998: Rundfunkaufnahme der Jugendkapelle beim SWR
- 1999: Jugendkapelle und Blasorchester nehmen gemeinsam eine CD in den Bauer Studios auf
Sowohl Jugendkapelle als auch Blasorchester gingen mehrfach mit sehr guten Bewertungen aus Kritik- und Wertungsspielen hervor – eine Bestätigung auch für die gute Jugendarbeit des Vereins.

Die 2000er Jahre
Weit gereist und hoch hinaus
- 2000: 75-jähriges Bestehen mit Jubiläums-Musikfest
- 2000 und 2002: Jugendkapelle reist nach Boly in Ungarn
- 2001: Blasorchester beim Bundesmusikfest in Friedrichshafen in der Höchststufe mit sehr gutem Ergebnis
- 2002: Weltrekordversuch – das größte im Wasser stehende Orchester der Welt (über 1.000 Musiker)
- 2005: Abschied vom letzten Gründungsmitglied Heinrich Heubach
- 2006: Blasorchester besucht Partnerstadt Belvidere
- 2009: Jugendkapelle reist erneut nach Kanada
Auch im Ausland repräsentierte der MVS nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinde Schwieberdingen.

Die 2010er Jahre
Tiefgang und Höhepunkte
Juli 2010: Hochwasser
Das Hochwasser überflutet den Proberaum im Bürgerhaus – Noten, Instrumente und Equipment werden schwer beschädigt oder zerstört.
Dank der tatkräftigen Hilfe der MVS-Mitglieder und der großzügigen Spendenbereitschaft der Schwieberdinger Bürger und speziell der Volksbank Asperg-Markgröningen und der Kreissparkasse Ludwigsburg konnte zumindest ein Teil repariert oder neu beschafft werden.
- 2011: Dankeschön-Konzert nach dem Hochwasser (gemeinsam mit Strohgäu Sinfonieorchester)
- 2013: Kirchenkonzert in der katholischen Kirche
- 2013: USA-Rundreise des Blasorchesters
- 2017: Open-Air-Konzert auf der Nippenburg mit „Herr der Ringe"-Sinfonie
- 2017: Jugendkapelle reist erneut nach Belvidere
Mehrere Ausflüge zum Thumer Orchestertreff in die Heimat von Dirigent Thomas Conrad.

Die 2020er Jahre
100 Jahre bockstark
2025: 100-jähriges Jubiläum
Ein ganzes Jubiläumsjahr mit zahlreichen Highlights:
- • 9.-12. Mai: Kreismusikfest auf dem Festplatz beim Bahnhof
- • 12. Juli: Nippenburg Open Air
- • 6. Dezember: Jubiläumskonzert
- • Sonderausstellung im Ortsmuseum
Zum 100-jährigen Jubiläum komponierte Franz Watz den Konzertmarsch „Das Dorf an der Straße".
Stand 2025:
281 Mitglieder – 102 aktive Musiker – 3 Orchester

Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum
Entdecken Sie die vollständige Geschichte des Musikvereins Schwieberdingen in unserer Festschrift "100 Jahre, 100 Stimmen" – mit vielen Bildern, Geschichten und Erinnerungen.
Festschrift herunterladen (PDF)Dateigröße: ca. 6 MB
Die Vorsitzenden
Seit der Gründung 1925 haben acht Vorsitzende die Geschicke des Musikvereins geleitet und den Verein durch alle Höhen und Tiefen begleitet.
| Zeitraum | Vorsitzender |
|---|---|
| 1925 - 1946 | Albert Meile |
| 1946 - 1949 | Paul Wensauer |
| 1949 - 1960 | Erwin Weber |
| 1960 - 1980 | Hermann Kläger |
| 1980 - 1988 | Otto Weller |
| 1988 - 1994 | Wilfried Porth |
| 1994 - 2000 | Thomas Julmi |
| 2000 - heute | Alexander Henke |
Die Dirigenten
Die musikalische Leitung des Musikvereins lag seit der Gründung in den Händen erfahrener und leidenschaftlicher Dirigenten, die die klangliche Entwicklung maßgeblich prägten.
Blasorchester
| Zeitraum | Dirigent |
|---|---|
| 1925 - 1952 | Albert Meile |
| 1952 - 1960 | Hans Weiland |
| 1960 - 1962 | Willie Luthe |
| 1962 - 1969 | Rudolf Meeh |
| 1969 - 1970 | Willy Lange |
| 1970 - 1973 | Alfons Kolb |
| 1973 - 1984 | Willy Lange |
| 1984 - 1987 | Rainer Kellmayer |
| 1987 - 1988 | Gery Schunn |
| 1988 - 1989 | Lorant Oswald |
| 1989 - 1990 | Theo Herbst |
| 1990 - 1991 | Edgar Roske |
| 1991 - 1993 | Manfred Reinold |
| 1993 - 2005 | Peter Kopp |
| 2005 - 2006 | Heribert Herbrich |
| 2006 - heute | Thomas Conrad |
Thomas Conrad
Wussten Sie eigentlich, dass der Dirigent des Blasorchesters, Thomas Conrad, auch die Bläserphilharmonie Thum dirigiert? Diese musikalische Formation wurde unlängst als bestes Orchester Sachsens ausgezeichnet. Der Musikverein Schwieberdingen ist stolz, dass eine solche Koryphäe auch bei uns den Taktstock schwingt.
Jugendkapelle
| Zeitraum | Dirigent |
|---|---|
| 1973 - 1984 | Willy Lange |
| 1984 - 1999 | Anneliese Tosch |
| 2000 - 2002 | Thomas Hahn |
| 2003 - 2005 | Heidi Meier |
| 2006 - heute | Stefan Krahl |
Oldie-Kapelle
| Zeitraum | Dirigent |
|---|---|
| 1995 - 2014 | Heinz Rothfuß |
| 2014 - heute | Anja Württemberger |
Die Oldie-Kapelle wurde 1995 zum 70-jährigen Vereinsjubiläum gegründet. Anton „Toni" Tosch hatte die Idee, ehemalige Musikerinnen und Musiker wieder zusammenzubringen. Schon einen Monat nach der ersten Probe standen die Oldies beim Jubiläums-Musikfest auf der Bühne.
Das „Schwieberdinger Modell"
Die Kooperation zwischen Verein und Musikschule gilt als das „Schwieberdinger Modell" und wurde von vielen Vereinen als Grundlage für eine erfolgreiche Jugendausbildung übernommen.
Weiterentwickelt hat sich seit der Gründung auch der musikalische Bereich, das heißt das Repertoire der Orchester: Zwar hört man auch heute noch Marschmusik und Polkas – musikalische Stilrichtungen, die man landläufig gedanklich sofort mit einem Blasmusikverein verbindet – aber bei weitem nicht mehr ausschließlich. Denn die Orchester des MVS beherrschen nahezu das ganze Spektrum der Unterhaltungsmusik.
Dies liegt nicht zuletzt daran, dass auch die Ausbildung der Musiker enorme Fortschritte gemacht hat – von den ersten Unterrichtsstunden durch „Ältere" über die vereinseigene Musikschule (1974) bis zur kommunalen Musikschule Schwieberdingen (1989).
Mit Pauken und Trompeten in die Zukunft
Für die kommenden Jahre sind die Ziele des MVS klar gesteckt: Auf der einen Seite die musikalische Weiterentwicklung, verbunden mit neuen Konzert-Ideen. Und auf der anderen Seite liegt der Fokus ganz klar auf der Jugendarbeit, denn ohne Nachwuchs bringt auch die beste musikalische Entwicklung nichts.
Ein Verein wie der MVS kann nur erfolgreich fortbestehen, wenn immer wieder junge Musikerinnen und Musiker nachkommen, die sich sowohl musikalisch als auch außermusikalisch engagieren.



